
EIN SOMMERNACHTSTRAUM
William Shakespeare
Die tolle Jagd, sie macht mir weh und bange
Es stinkt in Athen. Es stinkt nach Verrat. Was zählt, sind Stand und Status. Glänzendes Haar und strahlende Augen. Die Gunst der Mächtigen und deiner Freunde ist dir nicht gewiss.
Draußen im Elfenwald wartet dein anderes Leben. Doch der Wald hat seine eigenen Gesetze. Nach dieser Nacht ist nichts mehr wie es war.
Kennst du dich wirklich?
Leitung: Nicole Aurich I Dramaturgie: Franziska Fuhlrott I Musik: Franz Josef Schneider I Video: Christiane Wittig
Es spielen: Tirza Berger, Pauline Dunkel, Josefine Farkas, Sophia Freitag, Elaine Hein, Paul König, Nils Krause, Kelly Neubert, Justus Pleil, Rebekka Richter
Premiere am 25.März 2011
Gefördert von der Landeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur und Denkmalschutz
PRESSE
Was ist eigentlich Liebe?
"Ein Sommernachtstraum" im Societaetstheater
Ein fast leerer Raum mit weißen Wänden, bläuliches Licht senkt sich über die Szenerie, peppige Electro-Beats animieren zum Mitgrooven. Nach und nach wirbeln zehn junge Menschen herein und kommen schließlich bei einer essentiellen Frage zum Stillstand: Was ist Liebe, und ist sie wichtiger als Freundschaft? So beginnt "Ein Sommernachtstraum" von William Shakespeare - zumindest in der Version der Jugendtheaterwerkstatt im Societaetstheater. Seit etwa einem halben Jahr haben sich die jugendlichen Darsteller zwischen 15 und 20 Jahren unter der Anleitung von Theaterpädagogin Nicole Aurich an den Theaterklassiker herangetastet und dabei ganz eigene Zugänge zu dem märchenhaften Stoff gefunden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. So macht Laientheater Spaß.
Die originale Geschichte um die nächtliche Liebesverwirrung vier junger Athener im Elfenwald bleibt als roter Faden erhalten - zugegeben: sie vorher zu kennen, ist durchaus hilfreich, um dem Geschehen in allen Einzelheiten folgen zu können. Als Textgrundlage diente die deutsche Standard-Übersetzung von August Wilhelm Schlegel. Darunter mischen sich wie selbstverständlich Alltagssprache und reflektierende eigene Texte der jungen Akteure. Die etwa 70-minütige Inszenierung lebt von Verknappung und Verfremdung. Gerade durch einfache Mittel - sehr sparsames Bühnenbild mit einem Wald per Videoeinspielung, Kostüme, die aus dem Kleiderschrank der jungen Leute stammen könnten - verwandelt sich der Klassiker in eine moderne und den jugendlichen Laienschauspielern entsprechende Collage über zwischenmenschliche Beziehungen.
Reduziert sind auch die Figuren, besonders stark in einigen Nebenrollen. Wunderbar schelmenhaft gelingt Rebekka Richter ihr Puck, der freche Gehilfe von Elfenkönig Oberon. Von den Handwerkern, die für die geplante Fürstenhochzeit ein Theaterstück einstudieren, ist nur Zettel übrig, der nun alle Rollen selber spielen muss. Darsteller Paul König avancierte zum heimlichen Star des Abends und entpuppte sich mit dem 80er-Jahre-Hit "Tainted Love" zudem als nicht untalentierter Sänger. Erfrischende Selbstironie und Situationskomik zieht sich durchs ganze Stück. Dazwischen immer wieder Disko-Stimmung zu Electro-Klängen, die Franz Schneider extra für die Inszenierung komponiert hat, und viel Bewegung auf der Bühne.
Am Ende wird alles gut: Lysander bekommt seine Hermia und Helena ihren Demetrius. Einer Doppelhochzeit in Athen steht nichts mehr im Wege. Man eilt glücklich in die Stadt zurück. Ende gut, alles gut. Soweit zumindest Shakespeares Geschichte. Hier jedoch wird Helena, die so lange um ihren Demetrius gekämpft hat, nun doch nachdenklich und ihr "Ich liebe ihn" wechselt zwischen Überzeugung und Frage. Kann sie dem plötzlichen Sinneswandel des Geliebten trauen? Geht das nicht doch alles etwas zu schnell? Und wie lange wird das Glück halten? Das Stück endet, wie es begonnen hat, mit fast privaten Statements der jungen Darsteller über das wichtigste Thema des Abends: die Liebe.
DNN, 29.03.2011, Dorit Kreller





